Atlantiküberquerung – von Frankreich in die Karibik (1)

Les Sables-d’Olonne

Es ist kalt in Les Sables-d’Olonne. Der Wind bläst die letzten Blätter in das graue Hafenwasser. Selbst im kargen November ist der Ort malerisch. Bekannt für die Vendée Globe Regatta, lockt er alle vier Jahre tausende von Segelsportfans an die Westküste Frankreichs. Im Winter ist der Ort verschlafen. Es ist ruhig im Hafen, lediglich das schrauben und werkeln der Werften zerstört die Idylle. Neben bekannten Schiffsbauern wie Alubat, liefert auch Lagoon seine Katamarane hier aus. Nagelneu liegen sie am Werftsteg und warten auf ihre Besitzer. Für viele liegt das neue zuhause in der Karibik, das Paradies für Katamarane.

 Les Sables-d'olonne - houses

Das malerische Örtchen Les Sables-d’Olonne

Dies ist auch das Ziel für unsere Lagoon 42. Orion’s zuhause liegt auf den Britischen Jungferninseln. Unsere Aufgabe ist es ihn sicher über den Atlantik zu bringen. Wir sind eine vier-köpfige Crew: Matthias, der Kapitän. Dean, der englische Hobbysegler. Florian, Segelamateur und ich, Nautalmitarbeiterin. Durch meinen Beruf bei Nautal kam ich tagtäglich in Kontakt mit Segelbooten und träumte schon lange von einer Atlantiküberquerung. Über eine Internetplattform lernten mein Freund Florian und ich Matthias kennen. Jedes Jahr überführt er Katamarane von Europa in die Karibik. In diesem Jahr sind wir Teil seiner Crew und 60 Tage auf dem Meer stehen uns bevor.

An Bord einer nagelneuen Lagoon

Wir erreichen Les Sables-d’Olone am späten Abend des zweiten Novembers. Matthias ist bereits seit zwei Tagen an Bord, um die Übergabe vor unserer Ankunft abzuschließen. Unser neues Zuhause ist ziemlich karg. Die Küche ist leer, die Polster und Matratzen mit Plastikfolie überzogen, nur die vielen Knöpfe des Schalterpaneels blinken freundlich. Die nächsten Tage  müssen wir Orion erstmal einrichten und uns mit seiner technischen Ausrüstung vertraut machen. Nach drei Tagen ist der Kühlschrank und jeglicher anderer Stauraum voll mit Lebensmitteln. Die Kabinen wurden mit Decken und Bettwäsche bestückt. Die geplante Route wurde in den Plotter eingegeben und auch die verschiedenen Knöpfe des Gasherdes wurden mittlerweile verstanden, so dass wir jeden Abend von einem warmen Eintopf à la Dean – denn er war jahrelang Koch – verwöhnt werden. Wir fühlen uns wohl auf unserem schwimmenden zuhause und sind bereit die Segel zu setzen.

Unser schwimmendes Zuhause Lagoon 42 „Orion“

Warten auf besseres Wetter

Doch wie das Leben oft spielt, läuft nicht alles nach Plan. Dank schlechtem Wetter und starkem Wind verspätet sich unsere geplante Abreise. Zehn lange Tage liegen wir in Les Sables-d’Olonne und träumen von wärmerem Wetter in der Karibik. Wir sind aber nicht allein. Unser Nachbarboot, eine Lagoon 45, will nach Martinique und die Lagoon 39 dahinter auf die Bahamas. Tag für Tag gehen wir die geplante Route durch: Cascais, Madeira, La Palma, Cape Verde, Karibik. Üben Knoten, spielen Karten, lesen den Wetterbericht, kochen Eintopf – okay, ab und zu holen wir uns auch ein Croissant aus der leckeren Boulangère um die Ecke.

Die ersten Tage auf See

Am 12.11.2018 ist es dann soweit: der Wind dreht um, die Sonne scheint und es heißt: Leinen los! Unsere Lagoon 42 macht ihre ersten Meilen – oder Meter, denn es geht erstmal zur Tankstelle. Mit vollem Tank und frischen Segeln schlängeln wir uns durch den Kanal aufs offenen Meer. Fender rein und los gehts! Das Bay of Biscay zeigt sich heute von seiner schönsten Seite. Schon bald lassen wir Les Sables-d’Olonne hinter uns liegen. Der Kompass zeigt 240 Grad, langsam aber sich – es geht gen Süden! Am Abend sprühen auf einmal zwei Fontänen neben dem Boot. Wale! Und als wäre das nicht schon genug, kommen auch noch ein paar Delfine und spielen mit den Bugwellen.

Die Sonne geht unter und taucht den Himmel in ein orangefarbenes Licht. Was ein schöner erster Tag auf See.

Der Enthusiasmus des ersten Tages legt sich schnell. Die Wettervorsage zeigt ein Tief aus Südwest mit Böen von bis zu 50 Knoten, dass uns die nächsten Tage erreichen wird. Wir sind noch nicht einmal über das Bay of Biscay hinweg, welches durch das hohe Schiffsaufkommen bei Starkwind und Sturm gefährlicher sein kann, als der offene Atlantik. Unsere Lagoon verfügt auch über kein AIS (Automatic Identification System), daher können wir von anderen Schiffen nicht auf dem Plotter gesehen werden. Es ist riskant, doch wir wollen nicht noch mehr Zeit verlieren.

Schaffen wir es unser eigentliches Ziel, Cascais in Lissabon, zu erreichen? Dazu mehr im zweiten Teil der Reihe: Atlantiküberquerung – von Frankreich in die Karibik

Sind Sie auch schon mal eine Lagoon gesegelt? Träumen Sie auch von einer Atlantiküberquerung? Wir freuen uns über Kommentare oder Fragen zum Thema!
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