Sicherheit an Bord: Was tun im Notfall?

Wer ein führerscheinpflichtiges Boot mieten möchte, sollte sich gut mit den Sicherheitsvorkehrungen auskennen. Deshalb sollte – bevor man in See sticht – eine gründliche Inspektion des Notfallequipments und des Bootes selbst gemacht werden. In diesem Blogartikel möchten wir Sie über die wichtigsten Sicherheitsvorkehrungen an Bord Ihres Bootes informieren, damit Sie im Falle des Falles wissen, was zu tun ist.

Bei rauher See steht die Sicherheit an erster Stelle

Bei rauher See steht die Sicherheit an erster Stelle

Ausstattung an Bord

An Bord eines jeden Bootes gibt es verschiedene Sicherheits-und Rettungsmittel, es sollten auf alle Fälle folgende Dinge vorhanden sein, sofern Sie sich mehr als 2SM von der Küste entfernen:

  • Ohnmachtssichere Rettungswesten mit Signalpfeife für alle Crew-Mitglieder und Kinder an Bord
  • VHF Radio (Funk) bei Booten, die sich mehr als 2SM von der Küste entfernen
  • Erste-Hilfe-Kasten
  • Rettungsboot, idealerweise mit Aussenbordmotor
  • Notfunkbake (Emergency Position-Indicating Radio Beacon, EPIRB ) bei Offshore-Navigation: Dieser kleine Kasten erfasst Ihre genaue Position und dient um im absoluten Notfall Hilfe zu rufen
  • Leuchtfackeln
  • Navigationslicher und Schallsignalanlagen
  • Holzstopfen
  • Bootshaken und Fender
  • Zwei tragbare Feuerlöscher der Brandklassen ABC
  • Schöpfgefäß oder Pumpe zum Wasserschöpfen
  • Anker mit ausreichend langer Leine oder Kette
  • Handlampen, spritzwassergeschützt, mit Reservebatterien
  • wichtige Flaggen und Signalkörper (Manövrierunfähigkeit,Ankern etc.),
  • Absperrventile an allen Kraftstofftanks
  • eine ausreichend lange schwimmfähige Rettungsleine
  • Fernglas, Barometer, Nebelhorn,

Sollten Sie feststellen, dass das Schiff die Minimumsicherheitsstandards nicht erfüllt, bitten Sie den Anbieter direkt um Nachrüstung, bevor Sie Ihren Törn starten.

Ein Rettungsring sollte sich für den Notfall an Bord befinden.

Ein Rettungsring sollte sich für den Notfall an Bord befinden.

Vermeiden Sie Unfälle an Bord

Auf hoher See ist, aufgrund des hohen Gefahrenpotentials, das über Bord gehen einer der gefürchtetsten Unfälle. Um dies zu vermeiden, ist eine der einfachsten, obgleich wichtigsten Vorkehrungen, ein aufgeräumtes Deck. Wenn Sie über das Deck gehen, sollten Sie auf Spritzwasser achten, um Ausrutscher zu vermeiden. Üben Sie das über Bord fallen regelmässig, so dass auch schwächere Crew Mitglieder im Notfall anderen helfen können.

Besonders wichtig ist auch, dass der Strat (Sicherheitsgurt), welcher die Weste mit der Sicherheitsleine verbindet, angemessen kurz ist und dass Sie – wenn Sie zum Bug/ Kranbalken gehen – immer in Windrichtung (dem Wind entgegen) gehen.

Alle Crewmitglieder sollten rechtzeitig die Sicherheitswesten und Rettungsgurte anlegen. Informieren Sie sich über die Wettervorhersage, studieren Sie die Seekarten und hören Sie die Seefunkfrequenz für Ihren Bereich, um auf besondere Fahrzeuge aufmerksam zu werden.

Wenn jemand tatsächlich über Bord fällt…

Wenn es doch einmal dazu kommt, dass ein Crew-Mitglied über Bord fällt, sollten Sie als aller erstes laut „Mann über Bord“ rufen. So wird sichergestellt, dass jeder auf dem Schiff so schnell wie möglich über die Situation informiert ist. Danach müssen Sie das Boot paralel zum Gefallenen positionieren, so dass der ins Wasser Gefallene nicht versehentlich von der Schiffsschraube verletzt wird. Sobald das erledigt ist, sollten Sie dem Überbordgegangenen einen Rettungsring o.ä. zuwerfen.

Sehr wichtig: niemals den Blickkontakt zum Crew-Mitglied verlieren! Anderenfalls könnte es schwierig werden, ihn auf offener See wiederzuentdecken. Wenn Sie sich ihm mit dem Boot nähern, müssen Sie die Geschwindigkeit reduzieren und – bei einem Segelboot – die Takelage senken. Sobald Sie bereit sind, Ihr Crew-Mitglied an Bord zu holen, muss das Boot in Windrichtung liegen, ansonsten wird das Boot automatisch abgedriftet. Meist braucht der Gefallene Hilfe beim an Bord kommen. Abgesehen von der eigenen Manneskraft, können Sie – bei einem Segelboot – auch das Hisstau und die Winschen nutzen, um ihn an Bord zu holen.

Driftmanöver zur Rettung eines Crew-Mitglieds

Driftmanöver zur Rettung eines Crew-Mitglieds

Der Albtraum ‚Leck‘

Normalerweise ist ein Leck leichter zu beheben, als Sie vielleicht denken, wichtig ist nur, dass es richtig gemacht wird.

Der erste Schritt ist festzustellen, ob das eindringende Wasser süß oder salzig ist. Wenn es sich um Süßwasser handelt, können Sie sich entspannen – das Wasser kommt dann aus den Wassertanks und bürgt keine echte Gefahr für die Stabilität des Bootes. Das Einschalten der Wasserpumpe sollte ausreichend sein.

Handelt es sich um Salzwasser, wissen Sie, dass es von außen eindringt und dass es wichtig ist, die Stelle zu finden, an welcher es eintritt. Normalerweise sind dann die Wasserzuflüsse – Wasserhähne in Badezimmer, Küche und im Bereich der Motorkühlung die Ursache. Auch tritt Wasser häufig bei den Lautsprechern der Motor-/ Maschinenwelle oder beim Segelantriebgelenk ein. Als Erstes solten Sie den Haupthahn der Wasserhähne schließen und einen hölzernen Stöpsel einsetzen.

Ein absoluter Ernstfall ist ein Riss oder Loch im Rumpf, meist entstanden durch eine Kollision, bei diesem Szenario sind Sie eventuell bereits auf ein Leck vorbereitet.

Die Reparatur ist hier etwas schwieriger als bei den Wasserhähnen und je nach Grösse des Lecks nicht möglich. Üben Sie mit einem Kissen und Ihren Füßen Druck auf den Spalt aus, dies wird den Wasserfluss reduzieren und Ihnen etwas mehr Zeit geben um zu überlegen, wie Sie fortfahren wollen. Das Wichtigste bei einem Leck ist, dass der Wasserzufluss geringer ist als der ‚Wasserabfluss‘. Dazu müssen Sie versuchen, das eindringende Wasser zu stoppen oder zumindest zu vermindern. Hierzu können Sie Kleidung, Kissen, ein Segel oder auch einen speziellen Klebstoff nutzen. Zudem müssen Sie versuchen, so viel Wasser wie nur möglich zu beseitigen: lassen Sie die Kühlflüssigkeiten ab und nutzen Sie hierzu auch die Wasserpumpe. Sobald Sie das Leck einigermaßen unter Kontrolle haben, segeln Sie den nächsten Hafen an und informieren Sie die Verantwortlichen vor Ort darüber, dass Sie einen Travellift (eine Art Portalkran) brauchen, um das Boot aus dem Wasser zu bekommen. Sollten Sie feststellen, dass der Wasserzufluss zu stark ist, es also außerhalb Ihrer Möglichkeiten liegt den Schaden selbst zu beheben, sollten Sie per Notrufnummer jemanden über die Situation informieren und dessen Instruktionen folgen. Sollte es zum Äußersten kommen, sollte das Rettungsboot bereit sein. Auch wenn es schwer fällt: verzichten Sie darauf, persönliche Gegenstände wie Kleidung und Koffer mit auf das Rettungsboot zu nehmen. Wichtiger sind warme Kleidung, Gummstiefel, Frischwasser, Signalraketen und haltbare Nahrungsmittel.

Unsere Mitarbeiterin wurde diesen Sommer Zeugin eines Unterganges auf Ibiza

Unsere Mitarbeiterin wurde diesen Sommer Zeugin eines Unterganges auf Ibiza

Auch wenn der Fall nur selten eintritt, ist es sehr wichtig zu wissen, wie Sie sich im Ernstfall verhalten sollten und wie die Hilfsmittel richtig einzusetzen sind. Wenn Sie sich über mögliche Gefahren und deren Beseitigung im Klaren sind und wissen, wie Sie im Notfall reagieren müssen,  können Sie unbesorgt an Bord gehen und Ihren Segeltörn genießen. Denken Sie immer daran: die Sicherheit an Bord hat höchste Priorität!

Sind Sie schon einmal in eine ähnliche Situation geraten? Bitte teilen Sie Ihre Erfahrungen, Tipps und Hinweise mit uns und den übrigen Lesern, damit Andere aus diesen unschönen Erfahrungen etwas lernen können. Wir freuen uns auf Ihre Kommentare!