Richtig ankern – so geht’s!

Wem ist das noch nicht passiert: Man steuert eine traumhafte Bucht zum ankern an, doch was wie das Paradies aussah wird zu einem wahren Alptraum. Wir haben einige gute Tipps für Sie, wie Sie sicher und dauerhaft ankern können. Genießen Sie Ihre Nachtruhe ohne Störungen, indem Sie unsere Ratschläge befolgen:

  1. Suchen Sie sich bereits vorher eine windgeschützte Bucht aus, in der Sie ankern möchten, bedienen Sie sich hierzu der Seekarte. Bedenken Sie, dass der Platz in der Bucht eingeschränkt sein kann; auf den Balearen kann es gelegentlich im Sommer eng werden.ankern
  2. Sehen Sie sich auf der Seekarte die Einfahrt in die Bucht an, ein Navi oder eine Sonde helfen Ihnen, eventuelle Felsen oder Sandbänke zu entdecken und sich einen Schrecken zu ersparen.
  3. Beim Einfahren in die Bucht achten Sie auf die anderen Boote und in welche Richtung Sie „zeigen“, suchen Sie sich dann einen Platz aus.
  4. Ankern Sie mit dem Bug gegen die Windrichtung und lassen Sie genügend Abstand vom Ufer. Beachten Sie hier unbedingt die Gezeiten der Küste, an der Sie sich befinden.
  5. Werfen Sie den Anker aus und steuern Sie nun rückwärts, Sie können sich auch vom Wind in Gegenrichtung treiben lassen.
  6. Stecken Sie die Kette nach und nach während Sie zurücksetzen, bis der Anker sich festsetzt und die Kette sich strafft. Wenn Sie zu früh zu viel Kette stecken, legt diese sich auf den Anker und verhindert sein eingraben.
  7. Das 3-5fache der Wassertiefe an Kette stecken, in einigen Gebieten wie in der Türkei und auf den kanarischen Inseln können bis zu 100m Kette nötig sein. Bedenken Sie, dass sich ihr Boot bei einer Änderung der Windrichtung um die Kettenlänge versetzt, eine Ankerboje ist hier hilfreich.

    Mindestens das 3-fache der Wassertiefe an Kette stecken.

    Mindestens das 3-fache der Wassertiefe an Kette stecken.

  8. Der Wind wird Sie nun in Ihre endgültige Position bringen, je nach Lichteinfall, Wassertiefe und –Sauberkeit können Sie mit einem kurzen Tauchgang überprüfen, ob der Anker sich tief genug in den Boden eingegraben hat.
  9. Schwojen: Dieser Begriff bezeichnet die Bewegung der vor Anker liegenden Boote bei Änderung der Windrichtung. Die Boote drehen sich um die Achse des Ankers und verändern Ihr Richtung im Abstand der Kettenlänge.

Was sind die typischen Fehler beim Ankern? 

Der häufigste Fehler ist die Missachtung von Wind und Meeresströmung, gegen die Grundelemente haben Sie keine Chance! Auch wenn Sie weit ab und in anderer Richtung ankern werden Wind und Strömung Sie bald in die gleiche Richtung treiben wie alle anderen Boote (Schwojen). Hier ein Beispiel: Das grüne Boot liegt friedlich vor Anker als das rote Boot eintrifft. Das rote Boot sieht weder den Anker noch die Kette des grünen Bootes und wirft den Anker in nächster Nähe und entfernt sich rückwärts unter Missachtung der Windrichtung. Nach dem Ankern bewegt sich das rote Boot wieder in Windrichtung zum grünen Boot zurück und liegt direkt daneben beziehungsweise berührt es sogar. Ihm wird nichts anderes übrig bleiben als sich unter vielen Entschuldigungen einen anderen Ankerplatz zu suchen.

Schwojen

Der 2. Fehler ist, den Abstand zwischen Anker und Boot zu unterschätzen. Viele stecken die Kette ab dem Punkt, an dem Sie später liegen möchten, dies ist jedoch ein Irrtum, da sich Ihr Boot nicht direkt über dem Anker befinden wird. Beispiel 2: Das rote Boot gelangt an eine schon recht volle Bucht und entscheidet sich trotzdem dort zu ankern, da in der Mitte der Bucht noch viel Platz ist.

Einmal in der Mitte angekommen wirft er den Anker und beginnt Kette zu stecken, schnell merkt er jedoch, dass er sich zu nah am Boot A befindet. richtig ankern

Ein korrektes Manöver wäre gewesen, den Anker hinter dem Bug des Bootes B zu werfen, wie wir im nächsten Bild sehen:richtig ankern

Fehler Nr. 3 ist die Fehleinschätzung der Kettenlänge anderer Boote und der entstehende Effekt beim Schwojen: Das grüne Boot liegt gemütlich vor Anker in der Bucht, als das rote Boot hinzukommt und ein Stück entfernt den Anker wirft. Das rote Boot steckt jedoch viel weniger Kette als das grüne Boot. Als der Wind sich dreht beginnen die Boote Ihre Richtung zu ändern, da der Radius des grünen Bootes grösser ist als der des roten, findet eine unerwünschte Kollision statt.

richtig ankern

Um diese Art von Vorfällen zu vermeiden, fragen einige Segler andere danach, wie viel Kette gesteckt wurde. Wenn man die Kettenlänge weiß, kann man auch bei begrenztem Platz sicher ankern, indem man die gleiche Kettenlänge wie die umliegenden Boote steckt.

Und wo liegen Sie am liebsten vor Anker?